BBQ Kitchen Berlin

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Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass man in Berlin (mittlerweile) gut und sehr gut essen kann. Und zu Recht in Vergessenheit geraten ist der Sager von Egon Fridell über die Berliner Küche: „In Berlin bekommt man alles, was es gibt: Austernpastete, warmen Hummer, Ananascreme, gebackene Trüffeln, aber es schmeckt alles nach Sülzkotelett…“

Allgemein wird in unseren Breiten die Berliner Küche mit Eisbein, Sülzkotelett, Berliner Leber und Königsberger Klopsen assoziiert. Tatsächlich sind dies bis heute Ikonen der Berliner Küche. Doch was außerhalb von Berlin weit weniger bekannt ist, dürfte die Tatsache sein, dass die Berliner Küche maßgeblich von den Hugenotten beeinflusst wurde. Diese französischstämmigen Protestanten fanden im Berlin des 17. Jahrhunderts eine neue Heimat und bildeten hier eine wirtschaftlich und kulturell bedeutende Minderheit. Mit ihnen kam nicht nur ein neuer Glaube nach Berlin, sondern auch allerlei neues oder fortschrittlicheres Handwerk. Neben den Seidenspinnern, Leinendruckern und Buchbindern waren es vor allem die Pastetenbäcker, Cafetiers, Confituries (Konfitüren-hersteller) und nicht zuletzt die Rotisseurs, welche Berlin nachhaltig bereicherten. Dass diese Bereicherung trotz aller Kriegs-Wirren bis heute anhält, beweisen zum einen Baudenkmäler wie der „Französische Dom“ am Gendarmenmarkt, in dem übrigens auch das Hugenottenmuseum untergebracht ist, und zum anderen die alte neue Liebe der Berliner zu Rotisserie-Lokalen. Gerade diese Liebe zur französischen Rotisserie erlebt in den letzten Jahren einen regelrechten Boom. Berlin ist aber seit der Nachkriegszeit nicht allein Französisch beeinflusst. Auch Russen (vor allem im Stadtteil Charlottenburg), Engländer und Amis haben ihre Spuren hinterlassen.
Mit diesem geschichtlichen Hintergrund erklärt sich das Konzept der BBQ-Kitchen, denn sie vereint französische und amerikanische Elemente zu etwas Neuem, das als Mittelding einer Rotisserie und eines amerikanischen BBQ-Diners betrachtet werden kann und zusätzlich der in Berlin so beliebten Imbiss-Kultur gerecht wird. Die BBQ-Kitchen am Zwirngraben ist eines der neueren Lokalprojekte des umtriebigen Gerd Spitzer, seines Zeichens einer der potentesten und erfolgreichsten Gastronomen Berlins mit 5 Großprojekten und mehreren hundert Angestellten. Das Escadors am Alexanderplatz gehört genauso zu seiner Unternehmensgruppe wie das Tauro in der Schönhauser Allee, eines der schönsten spanischen Lokale Berlins, das zudem bekannt für seine ausgezeichneten Steaks und die große Vielfalt an unterschiedlichen Cuts ist.

4D4A4107Gerd Spitzer mietete für die BBQ-Kitchen nahe der Hackeschen Höfe eine in den Stadtbahnbögen befindliche Räumlichkeit von der Deutschen Bahn an und machte in Eigenregie aus einer Ruine eines der schönsten Rotisserie-Lokale Berlins. „Anfangs habe ich mit rund 750.000 Euro Investitions-Volumen gerechnet, doch dann wurde schnell klar, dass das nicht ausreichen würde; letztlich waren es dann fast 1,2 Millionen. Ich wollte ein stilechtes Lokal im modernen Retrodesign und deshalb wurde an keiner Ecke und keinem Ende gespart – das Wichtigste an einem Lokal ist nämlich das Gesamtpaket und dazu gehört neben dem Essen auch das passende authentische Ambiente. Um dieses Ambiente zu schaffen, bedurfte es nicht nur vieler Antiquitäten und Spielereien wie zum Beispiel historische Verteilerdosen oder WC-Anlagen (die von uns aufwendig restauriert wurden), sondern auch einer zeitgemäßen Einrichtung und technischen Geräten auf modernstem Stand. Wir arbeiten mit französischen Vertikalgrillgeräten, die eigens für unser Lokal angefertigt wurden. Zwei Southbend-Geräte dienen als Unterstützung bei großem Andrang. Das Besondere an unserem Lokal ist aber das Konzept: es gibt ¼, ½ und Ganze Portionen – also beispielsweise ¼ Ente, eine ½ Ente oder eine Ganze Ente. Das Konzept betrifft nicht nur die Speisen, sondern auch die Getränke: ¼ Liter Bier, ½ Liter Bier oder eben 1 Liter Bier!“ Schmunzelnd fügt Gerd Spitzer hinzu: „Um meine Vision zu realisieren, musste die Vertragsbrauerei spezielle Gläser für uns anfertigen lassen, weil es einen ¼ Liter Bier bis dato in Berlin nicht gab.“

Es ist schon ein besonderes Vergnügen, in diesem Lokal zu speisen. Mitten im Lokal drehen sich dutzende Spieße mit Enten, Hühnern und Fleisch um die eigene Achse und während man seine gegrillte Ente (übrigens werden nur artgerecht gehaltene original Oldenburger Enten gebraten) verspeist, kann man die Artgenossen bei ihrem Ringelspiel betrachten. Außer knusprig-saftigen Enten gibt es zart-würzige Henderln, dann noch Spareribs (amerikanisch butterzart), Burger und Fleischspieße – basta. Reduziert auf das Wesentliche bedeutet hier aber auch, dass die dazu gereichten Saucen (Smoky-BBQ, Mango-Chili & Co) selbstverständlich hausgemacht sind – man hat eigens einen 70-jährigen Engländer, der ein Experte in Sachen BBQ-Saucen ist, engagiert und das Ergebnis ist entsprechend gut und authentisch. Bei den Beilagen gibt man sich traditionell klassisch, natü4D4A4124rlich können alle Speisen auch zum „Mitnehmen“ geordert werden und das Preis-Leistungsverhältnis scheint schier unschlagbar; 12,- Euro kostet der Mixed Grill mit ¼ Ente, ¼ Hähnchen und BBQ-Ribs.
Alles in allem ist es Gerd Spitzer gelungen, durch Vision und Innovation ein Lokal zu schaffen, das Berliner Imbisskultur, Amerikanisches Diner und französische Rotisserie-Tradition in sich zu etwas Neuem vereint und die Grill-Restaurant-Szene Berlins um einen echten Hot-Spot bereichert.

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